Venedig und die Inseln der Lagune
 
24. März bis 27. März 2002
 

Der Zufall wollte es, dass wir alle drei in der letzten Märzwoche Urlaub hatten. Sollten wir die Tage einfach so zu Hause verbummeln? Ich surfte im Internet umher und entdeckte bei der Augsburger Firma Domberger ein sehr gutes Angebot und die Möglichkeit gleich Online zu buchen. Wir einigten uns auf die 4-tägige Busreise "Venedig und die Inseln der Lagune". Ich füllte das Online-Formular aus und dachte insgeheim, wahrscheinlich passiert auf die Anfrage sowieso nichts, dann ist es auch egal und wir fahren mit dem Auto auf eigene Faust. Ganz erstaunt entdeckte ich schon wenige Tage später eine Reisebestätigung in unserem Briefkasten. Es klappte! Sogar unsere Sitzplatzwünsche wurden erfüllt.

 
 
Sonntag, 24. März 2002
 
Morgens um 6.50 Uhr startete unser Bus bei Domberger in der Stuttgarter Straße in Augsburg. Bis Landsberg sammelte er an diversen Ecken den einen bzw. anderen Fahrgast ein, bis wir vollzählige 33 Personen waren. Je weiter wir gen Alpen kamen, desto verschneiter wurde es. Einige PKWs legten vor dem Zirler Berg sogar ihre Schneeketten an, ein anderer gab auf. Ab dem Brenner blitzte uns, wie sollte es anders sein, die Sonne entgegen, vom Schnee nun auch keine Spur mehr. Unser Reiseleiter erzählte sehr ausschweifend, dem einen gefiel es, der andere hörte eben einfach nicht zu. Nach mehreren Pausen und einer wunderschönen Fahrt ab Trento an der Brenta entlang, erreichten wir am späten Nachmittag den Badeort Jesolo, wo wir im Hotel Bristol, direkt am Strand untergebracht waren.
 
Auf der Hinfahrt bei Garmisch Strand vor Hotel Bristol in Jesolo
Auf der Hinfahrt bei Garmisch Strand vor Hotel Bristol in Jesolo
 

Es war eins der ganz wenigen Hotels von unzähligen in diesem Ort, die um diese Jahreszeit geöffnet hatten. Im Sommer muss dies ein grauenvoller Ort sein, Hotels dicht an dicht, jetzt wirkt er recht verschlafen. Die Zimmer waren sehr schön, neu eingerichtet und mit Blick auf das Meer. Vor dem Abendessen vertraten wir uns noch etwas die Beine, bummelten an den Strand und durch den Ort. Beim Abendessen erwartete uns eine immer länger werdende Schlange am Salatbüfett. Anstatt gleich die doppelte Menge Salatschüsseln auf den Tisch zu stellen und den Tisch von beiden Seiten zugänglich zu machen, ließ man uns lieber 5 Meter bis zur Rezeption anstehen. Essen und Service waren ansonsten o.k.. Man konnte sogar am Abend vorher zwischen drei verschiedenen Vorspeisen und drei verschiedenen Hauptspeisen auswählen.

Unser Streckenverlauf von Augsburg nach Jesolo:

Augsburg Start  
Landsberg 1 Stunde
Europabrücke 4 Stunden
Grenze Brenner 4,7 Stunden
Bozen 5,5 Stunden
Trento 6 Stunden
Jesolo Ziel 9,2 Stunden

Insgesamt waren es auf der Hinfahrt 567 km

 
 
Montag, 25. März 2002
 

Ein paar Infos über Venedig:

Hier ein paar wenige Fakten über die Stadt: Sie wurde am 25.3.421 gegründet, also genau heute vor 1581 Jahren. Und zwar flohen die Venezianer damals vor den Hunnen und Germanen. Millionen Stämme aus den Staatsforsten im Cadore und Istrien wurden in die Lagune gerammt, wo sie durch Luftabschluss versteinernd, die Basis für Paläste, Kirchen und Wohnhäuser bilden. Heute leben in der Innenstadt Venedigs 68.000 Bewohner, jährlich besuchen 12 Millionen Touristen die Stadt. 

137 Überschwemmungen zählte man allein in den letzten 10 Jahren, weshalb überall in Venedig Bretter bereit liegen, die schnell zu Gehwegen ausgelegt werden können. Venedig stinkt übrigens nicht mehr. 1997 hat man wieder damit begonnen, die Kanäle auszubaggern, so dass immer frisches Wasser nachfließen kann. Die Gondeln gibt es schon seit dem 7. Jahrhundert. Sie waren bis 1562 knallbunt. Dann ordnete ein Anti-Luxusgesetz die schwarze Farbe an. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Gondel nach rechts gekrümmt gebaut, um den Gondolieren das Manövrieren zu erleichtern. Eine einstündige Gondelfahrt kostet 60 Euro. Ausführlicher will ich nicht werden, man kann das alles in Reiseführern nachlesen.

 
Heute morgen warteten wieder ewig lange Schlange am Frühstücksbüfett. Der Bus brachte uns nach dem Frühstück zum 25 km entfernten Ort Punta Sabbioni. Hier legte nach einer Stunde Wartezeit unsere bestellte Fähre nach Venedig ab. Übrigens warteten schon weitere 20 Reisebusse um diese Zeit in Punta Sabbioni auf dem Parkplatz.
 
Skyline von Venedig Markuskirche
Skyline von Venedig Markuskirche
 
Mit einer halben Stunde Verspätung erreichten wir die Stadt, wo uns unsere italienische Reiseleiterin mit strafendem Blick in Empfang nahm. Strafend, weil sie durch unsere Verspätung nur noch 1 1/2 Stunden ihrer kostbaren Zeit für uns opfern konnte, statt der vereinbarten 2 Stunden.
 
Unsere Reiseleiterin

Ein Gesetz in Italien verbietet es nämlich unserem Reiseleiter uns Venedig zu zeigen, das dürfen nur italienische Reiseführer. Kurz und gut, sie begann beim Markusplatz uns, über eine pfeifende und zischende Verstärkeranlage die Sehenswürdigkeiten von Venedig zu erklären. Nach einer halben Stunde zischelte mir Manfred zu: "Komm, lasst uns heimlich verdrücken, die Zeit ist viel zu kostbar." Recht hatte er! Ingrid, Manfred und ich machten uns aus dem Staub und erkundeten Venedig lieber auf eigene Faust.

<--- Die reizende Reiseleiterin

 

In dem Stil, wie die Dame uns führte, hätte man sich auch mit einem Reisebuch vor die Gebäude stellen können und selber nachlesen. Das wäre wahrscheinlich sogar besser gewesen. 15.50 Uhr war wieder Treffpunkt an der Fähre, uns blieben also 5 Stunden Zeit. Man glaubt gar nicht, wie schnell die hier vergehen. Gerade erlebten wir noch lange Schlangen vor dem 98,6 Meter hohen Campanile und der Markuskirche und dichtes Gedränge auf dem Markusplatz, aber kaum schlenderten wir 200 Meter weiter durch kleine Gassen, schon verlief sich die Menge. Sogar die Rialtobrücke über den Canal Grande war noch nicht stark besucht. Wir streiften stundenlang durch kleine, romantische Gassen, an den Kanälen entlang, in den Stadtteilen San Polo und San Marco.

 
Canale Grande Irgendein hübscher Kanal
Canale Grande Irgendein hübscher Seitenkanal
 

Zwischendurch pausierten wir auf einem versteckten Platz in einer Pizzeria und bummelten weiter. In meinem Reiseführer heißt es, dass man seinen Stadtplan hier getrost einpacken kann. Man verläuft sich mit und ohne, da Straßennamen öfter doppelt vergeben wurden. So verließen wir uns getrost und erfolgreich auf Manfreds Orientierungssinn. Überpünktlich um 15.50 Uhr wollte unsere Fähre nach Punta Sabbioni ablegen, da sie den Platz für ein anderes Schiff freigeben musste. Aber es fehlten noch zwei von unserer Gruppe. Als sie schließlich eintrafen Punkt 15.50 Uhr, erhielten sie meiner Meinung nach zu Unrecht von unserem Reiseleiter lautstark eine Standpauke und das vor der ganzen Gruppe. Den Nachmittag im Hotel verbrachte Ingrid Postkarten schreibend im Zimmer, Manfred und ich saßen unten mit Blick auf das Meer, schauten uns seine heute geschossenen Fotos an und bereiteten uns lesend auf die morgige Tour auf die Inseln vor.

Abendessen: Schlange stehen wie gehabt, vielleicht sogar noch etwas länger, ein zweiter Reisebus war eingetroffen. Wie mag das erst im Sommer sein? Ich glaube wir sind viel zu sehr vom Service unserer außereuropäischen Reisen verwöhnt. Trotz alledem werde ich diesen Tag noch für lange, lange Zeit in der allerbesten Erinnerung behalten.

Das Wetter habe ich ganz vergessen zu erwähnen. Es hätte nicht besser sein können, strahlender Sonnenschein bei einer Mittagstemperatur von 15°C. Unser Reiseleiter meinte noch, dass wir besonderes Glück hätten, sehr oft legt sich um diese Jahreszeit Nebel über die Stadt.

 
 
Dienstag, 26. März 2002
 
Am nächsten Morgen wieder ellenlange Schlangen am Frühstücksbüfett. Wieder setzte uns unser Bus in Punta Sabbioni ab, wo uns ein bestelltes Schiff von "Marco Polo" erwartete. Die heutige italienischen Reiseleiterin, mit der wir Vorlieb nehmen mussten, war etwas freundlicher als die von gestern. Auf dem Programm stand die Besichtigung dreier Inseln, in der Lagune Venedigs. Zuerst besuchten wir die Insel Murano.
 

Infos über Murano:

Auf dieser kleinen, von langen Kanälen durchzogenen Insel wird seit dem 10. Jahrhundert Glas hergestellt. 1291 ordnete Venedig an, dass keiner der Glashandwerker die Insel jemals verlassen durfte, damit das Glasgeheimnis nicht verraten wurde. Auf Flucht oder Verrat des Glasgeheimnisses stand die Todesstrafe. Damals lebten 30.000 Menschen auf der Insel, jetzt sind es 7.000.

 
Wir besichtigten eine Glasbläserei, war sehr interessant, ein Glasbläser zeigte uns, wie er eine Vase erstellt. Es blieb noch Zeit, dass wir uns ein wenig auf der Insel umschauten, anschließend legte unser Schiff Richtung Burano ab.
 
Glasbläser auf Murano Murano
Glasbläser auf Murano Blick über Murano
 

Infos über Burano:

Heute (2002) zählt Burano 5.000 Bewohner. Früher war diese Insel ein Fischerdorf. Während die Männer auf Fischfang waren, vertrieben sich die Frauen die Zeit mit klöppeln, wofür diese Insel heute berühmt ist. Unsere Reiseleiterin erzählte uns folgende Geschichte, warum die Häuser dort so knallbunt wie Bonbons sind: "Wenn die Fischer abends oft betrunken nach Hause kamen, verwechselten sie des öfteren ihr Haus und ihre Frauen wunderten sich, dass die Männer in den Häusern anderer Frauen landeten. Und so beschlossen die Frauen ihren Häusern alle einen anderen Farbanstrich zu geben, so dass Verwechselungen ausgeschlossen sind.

 
Wir hatten sehr viel, fast zu viel Zeit, durch die kleinen schmalen Gässchen und an den schmalen Kanälen entlang zustreifen. Denn die kleine Insel war schnell umrundet, aber sie ist sehenswert. Weiter ging es nach Torcello.
 
Burano Burano
Der schiefe Turm von Burano Die bunten Häuschen von Burano
 

Infos über Torcello:

Diese Insel soll älter als Venedig sein und beherbergte einst 20.000 Menschen. Die meisten Bewohner wurden von der Malaria dahingerafft. Heute zählt die Insel gerade einmal 50 Menschen. Besichtigenswert sind hier die romanische Kirche San Fosca (11. und 12. Jh.) und die 639 gegründete und 1008 erweiterte Kathedrale Torcellos, so sagt es zumindest der Reiseführer.

 
Wir hatten sehr viel, fast zu viel Zeit, durch die kleinen schmalen Gässchen und an den schmalen Kanälen entlang zustreifen. Denn die kleine Insel war schnell umrundet, aber sie ist sehenswert. Weiter ging es nach Torcello.
 
Torcello

Während unsere Mitreisenden das oben beschriebene besichtigten, genossen wir die Abendstimmung am stinkenden Kanal.

 

<-- Am Kanal von Torcello. Im Hintergrund die Kathedrale

 
 
Mittwoch, 27. März 2002
 

Heute war Abreisetag. Nach einer Fahrt am Gardasee entlang und Aufenthalt in Torbole erreichten wir am Abend Augsburg.

Jesolo Start
Torbole 3,75 Stunden
Grenze Brenner 7 Stunden
Augsburg Ziel 10 Stunden

Insgesamt waren es auf der Rückfahrt 620 km

 

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