Die Tücken der Technik - Wenn Fortschritt sich rächt
Quelle: Edwart Tenner, 1996

Wir fühlen uns schlechter, obwohl es uns besser geht - dieser Satz aus einem Symposium über das Gesundheitswesen der siebziger Jahre ist heute treffender denn je, und das nicht nur in der Medizin. Wir machen uns größere Sorgen als unsere Vorfahren.

Computer ersetzen eine Gruppe von Beschäftigten durch eine andere. Es gibt zwei Möglichkeiten: Man kann eine Arbeit auf altmodische Weise erledigen lassen. Oder man bezahlt eine andere Gruppe für die Einrichtung und Wartung von Maschinen und Systemen, die diese Arbeit mit weniger Beschäftigten der alten Art erledigen. Eigentlich werden hier gar nicht Menschen durch Maschinen ersetzt, sondern eine Gruppe von Menschen und Maschinen durch eine Gruppe von Maschinen und Menschen.

Was für Gesetze und Würstchen gilt, das gilt auch für Computerprogramme: Wie sie hergestellt werden, sollte man sich besser nicht so genau anschauen.

Die E-Mails haben nicht nur die Face-to-Face Konferenzen ersetzt, sondern sogar Telefongespräche. Beschäftigte, die häufig zu Kollegen gehen und Fragen stellen, gelten bei Vorgesetzten als Problemfälle.

EDV-Fachleute verbringen die meiste Zeit damit, auf Probleme zu reagieren, statt vorauszuplanen und über die Einrichtung von Systemen nachzudenken, die dem gesamten Unternehmen größere Effizienz einbringen. Auch Kollegenhilfe ist in den meisten Fällen rein reaktiv.

Nichts illustriert die Tendenz der heutigen Technik besser als die hohe Zahl der Rückenleiden, die zu den ökonomisch bedeutsamsten Berufskrankheiten gehören; 31 Millionen Amerikaner sind davon betroffen, und die Kosten für Behandlung und Arbeitsunfähigkeitsrenten werden auf 16 Milliarden Dollar jährlich geschätzt. Das chinesische Wort für "Stuhl" bedeutete ursprünglich "Barbarenbett".

Wie wir heute erkennen, hatten die altmodischen manuellen Schreibmaschinen mit ihren schwergängigen Tasten, dem Papierwagen, der zurückgeschoben, und dem Papier, das von Hand eingezogen werden musste, den umgekehrten Rache-Effekt, dass sie die Risiken des Karpaltunnelsyndroms gering hielten. Denn unglücklicherweise hat mancher die Erfahrung machen müssen, dass die Computertastaturen mit ihrem federleichten, reaktionsschnellen Anschlag ganz unerwartet Schmerzen verursachen. Und was ist erst davon zu halten, dass wir aus dem Fahrstuhl ins Auto steigen und damit in ein Fitnessstudio fahren, in dem wir uns an Tretmühlen (wie sie in Gefängnissen des neunzehnten Jahrhunderts üblich waren) und an Geräten abmühen, die das Treppensteigen simulieren?

Die Medizin hat weitaus geringeren, das Wirtschaftswachstum dagegen einen weitaus höheren Anteil an der Verlängerung der Lebenserwartung, als die meisten Menschen wissen. In vielen Fällen war und ist Chirurgie eine "halbherzige Technik", wie Lewis Thomas sie genannt hat, weil sie unter erheblichen Kosten Leben verlängert und Schmerzen lindert, ohne die eigentliche Krankheitsursache zu beseitigen.

Stanley Joel Reiser hat auf die Gefahren hingewiesen, die mit der Neigung viele Ärzte verbunden sind, "objektiven" Testmethoden und Durchleuchtungsverfahren größeres Vertrauen zu schenken als den eigenen Beobachtungen und den Aussagen des Patienten. William Ossler hat schon 1935 in seinem klassischen Lehrbuch der Medizin darauf hingewiesen, dass "Menschen selten an den Krankheiten sterben, an denen sie leiden."

In den meisten Klimazonen benötigt man für die Anlage und Erhaltung eines Golfplatzes gewaltige Mengen an Wasser und Pestiziden. Ein einziger Platz verbraucht manchmal mehr Wasser als mehrere Hundert Haushalte und sieben- bis achtmal so viel Pestizide wie die gleiche Fläche Ackerland. Früher machten die Gärtner auf den Golfplätzen reichlich Gebrauch von Arsen und anderen zweifelhaften Chemikalien, um einen schönen Rasen zu erhalten. Es heißt, die Verwalter von Golfplätzen zeigten eine verdächtig hohe Krebsrate.

 

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