Heiraten ist unmoralisch
Quelle: Esther Vilar, Lübbe-Verlag 1994

Je mehr Ehemänner man hatte, desto genauer weiß man eigentlich, daß man genausogut gleich den ersten hätte behalten können.

Was, außer Geldsorgen, hat ein Mann nach der Hochzeitsnacht zu erwarten?

...der Spruch, daß ein Mann nicht schön ein muß, um geliebt zu werden, ...ist leicht zu widerlegen:...dann müßte es ja zuweilen auch einmal vorkommen, daß sich ein attraktives Millionärstöchterchen hemmungslos in einen armen alten Rentner verknallt.

Innerhalb weniger Stunden und ohne daß man sie zwang, haben diese beiden Erwachsenen die Macht über sich selbst bei Pfaffen und Polizisten abgeliefert.

Männer haben Angst vor gutverdienenden Frauen.

Die Frau ihrer Träume, so sähe sie aus - Madonna und Hure in einem.

Liebe = Freundschaft + Sex, Freundschaft = Liebe - Sex

Das Problem bei Hochzeiten: Man verschweigt die Leistung, um die es in Wirklichkeit geht, verschweigt den Preis, der dafür gezahlt wird, und lässt den im Grunde ja gar nicht unrespektablen Deal unter dem Titel Liebes-Ehe segnen.

Unser Ideal wäre somit ein Heiratspartner, der also tagsüber gut verdient und uns nachts ausreichend Lust verschafft.

Vor dem Kopulieren kommt der Fraß. Für das abstrakt denkende und daher auch angstanfällige Wesen Mensch gilt dieser biologische Grundsatz in verschärfter Form: Nach ein paar hungrigen Tagen wären wir alle bereit, unser Recht auf Koitus für einen Teller Linsensuppe zu verscherbeln.

Falls sie es wünschen, sind Frauen jederzeit in der Lage, Stroh zu Gold und Sex zu Geld zu spinnen. Männer sind von diesem lukrativen Erwerbszweig auf ewig ausgeschlossen.

In unserem monogamischen Weltteil heißt Heiraten seine Rechte halbieren und seine Pflichten verdoppeln, hat der Philosoph Arthur Schopenhauer vor mehr als hundert Jahren geschrieben.

Es gibt heute keinen einzigen wirklich respektablen Grund, Kinder zu gebären, während die Gründe, sich der eigenen Fortpflanzung zu entziehen, allesamt hochrespektabel sind.

Das perfekte Verbrechen: die vorsätzliche, ohne seine Zustimmung und aus niederen Beweggründen erfolgte "Schwängerung" eines Mannes.

Für den Freier in einer Vernunftehe ist das Vor- und Nach-der-Hochzeit so etwas wie ein Schnellkurs über den Unterschied zwischen Markt- und Planwirtschaft.

Wer nicht hat, was er liebt, muss lieben was er hat.

...der Bräutigam..darf mit der Frau, die er zum Altar führt, später über alles sprechen, nur nicht über Privates.

Denn jeder Vertrag bedeutet das Ende der Freiwilligkeit - und damit endet auch immer das Vergnügen, das man an der Sache hatte.

Die Männer scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass sie für Liebe zahlen müssen, in Monatsraten oder cash.

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis