Die McDonaldisierung der Gesellschaft
Quelle: George Ritzer, S. Fischer 1995

Erstens: McDonald's bietet Effizienz. Das heißt, das McDonald's-System hat die optimale Methode, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen. In den meisten Fällen bedeutet das, daß McDonald's über die bestmöglichen Mittel verfügt, um uns vom Zustand des Hungers in den Zustand der Sättigung zu befördern.

Zweitens: McDonald's bietet Essen und Service, die sich leicht quantifizieren und berechnen lassen. Es sieht aus, als bekäme man bei McDonald's "mehr Essen fürs Geld".

Drittens bietet McDonald's Vorhersagbarkeit: Wir wissen, dass der "McMaffin", den wir in New York essen, unter allen praktischen Gesichtspunkten mit dem in Chicago oder Frankfurt identisch sein wird. Und ebenso sind wir sicher, dass der von heute genauso schmecken wird wie der in einer Woche oder in einem Jahr. Der Erfolg des Vorbildes McDonald's zeigt, dass viele Menschen heute lieber in einer Welt leben, in der nichts Unerwartetes geschieht.

Und viertens schließlich wird Kontrolle über die Menschen ausgeübt, die sich in die Welt von McDonald's begeben, vor allem indem menschliche Arbeitskraft durch nichtmenschliche Technologie ersetzt wird. Beispiele sind Getränkeautomaten, die von selbst abschalten, wenn das Glas voll ist, Friteusen die klingeln, wenn die Pommes frites knusprig sind, vorprogrammierte Registrierkassen, bei denen der Kassierer keine Preise und Mengen ausrechnen muss.

Die Idee, Arbeit auf den Kunden abzuwälzen und ihn damit eigentlich zu einem unbezahlten Angestellten zu machen, ist natürlich keine Erfindung der Fast-food-Restaurants, aber sie haben diese Entwicklung institutionalisiert und gefördert. Heute verbringt jeder von uns ein paar Minuten in der Woche als unbezahlter Tankwart.

Im religiösen Bereich zeigt sich die McDonaldisierung unter anderem an den Drive-in-Kirchen.

Bei vielen Fast-food-Gerichten sind süßer und salziger Geschmack kombiniert. Bei derart geringen Qualitätserwartungen stellen die Kunden größere Ansprüche in Sachen Quantität. Eine Illusion ist insbesondere die Pommes-frites-Portion. Die Kartoffelstäbchen werden in einer besonderen Tüte so angeordnet, dass es für den Kunden aussieht, als bekäme er eine große Menge. Tüten und Schachteln sind so konstruiert, dass sie sich am oberen Rand ausbeulen und von den Pommes frites überzufließen scheinen. Um die Illusion weiter zu verstärken, sind die Schachteln für die große Pommes-frites-Portion bei McDonald's innen gestreift. In den Pommes frites steckt eine große Gewinnspanne. Nach einem Bericht von Reiter werden sie bei "Burger King" zu 400 Prozent der Herstellungskosten verkauft. In Wirklichkeit ist die Rechnung des Verbrauchers also falsch: Er bekommt eben nicht viel für wenig Geld.

Mc Donald's hat eine breite Palette von Maschinen entwickelt, um die Beschäftigten zu kontrollieren. Man kann mit gutem Grund argumentieren, es sei das Ziel der Fast-Food-Restaurants, die Angestellten auf die Ebene gut funktionierender Roboter zu reduzieren.

Der nächste Schritt an der Kasse der Supermärkte besteht darin, dass der Kunde selbst den Scanner betätigt, so dass kein Kassenpersonal mehr benötigt wird.

Ein anderer Gesichtspunkt der Entmenschlichung in Fast-food-Restaurants ist die Tatsache, dass der zwischenmenschliche Kontakt dort auf ein Minimum reduziert ist.

Wenn das Kochen nur noch daraus besteht, auf einen Knopf zu drücken, wird die Küche irgendwann zu einer Art Tankstelle.

Vielleicht der Höhepunkt der Irrationalität bei der McDonaldisierung ist die Möglichkeit, daß Menschen die Kontrolle über das System verlieren, so dass es uns kontrolliert. Viele Bereiche unseres Lebens werden bereits durch solche rationalisierten Systeme bestimmt.

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis