Überlebensbuch für die Ehe
Quelle: Laurie Graham, dtv 1994

Männer haben im allgemeinen eine sehr direkte Einstellung zum Funktionieren ihres Körpers. Wenn es juckt, kratzen sie sich. Was hochkommt, muss runter. Was runtergeht, kommt manchmal hoch. Und das einzige, was Mann mit Luft im Magen machen kann, ist, sie in die Atmosphäre zu entlassen. Nasen sind zum Bohren, Zähne zum Dazwischenstochern und Fingernägel zum Herumpulen da. Warum sonst hätte Gott uns all das geschenkt? Und dann gibt es noch Flusen im Nabel, Dreck zwischen den Zehen, Sand in den Augen und die Folgen einer bösen Erkältung.

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht darin, dass Männer die Dinge, die Frauen im verborgenen zu erledigen versuchen, am liebsten auf breiter Opernbühne vorführen.

Wenn Sie jungverliebt sind, hat das einige hübsche Nebenwirkungen. Ihr Gang ist federnd. Der Alltag macht Sie nicht so fertig wie sonst. Und Sie essen weniger. Wie auch immer, der menschliche Körper hält so viele Wochen unaufhörlicher Seligkeit gar nicht aus. Also fangen Sie mit der gegenseitigen Entwöhnung an. Machen kleine Tests, um zu sehen, ob ein paar Stunden Trennung mit Herzversagen enden. Und wenn Sie schließlich in eine Art Wirklichkeit zurückgekehrt sind, erinnern Sie sich daran, dass Sie Freunde zu haben pflegten.

Gewiß, es hat sich so viel geändert. Inzwischen haben wir berufstätige Mütter, Familien mit Umkehrung der alten Rollen, Überfliegerfrauen, Doppelverdiener, die keine Kinder wollen, Kurzarbeit, mehrere Millionen Arbeitslose, Tausende und Abertausende von Frauen, die bis zum ersten Baby einen Job machen und dann...

Männer, die auch nur ein bisschen im Haushalt helfen, kriegen eine Anerkennung, die in keinem Verhältnis zu ihrem Beitrag steht. Das liegt daran, dass die meisten berufstätigen Frauen leicht bescheuert sind. Eine Frau, die den Abwäscher von ein paar popligen Tassen mit sofortiger Heiligsprechung belohnt, bedarf eines ernsten Wortes. Nein, doch nicht. Dafür ist sie zu müde.

Schlimmer noch als der Workaholic, der Akten mit ins Bett schleift, Ferien verkürzt und im Bad ein Faxgerät installiert, ist der Heimarbeiter. Heimarbeiter entwickeln antisoziale Angewohnheiten. Sie schaffen am liebsten im Bademantel, bohren in der Nase, gehen spazieren, wenn sie arbeiten sollten, arbeiten, wenn sie schlafen sollten, und okkupieren mindestens ein Zimmer im Haus mit Bürokram, der nicht aufgeräumt, nicht abgestaubt, ja nicht mal angeschaut werden darf, weil dies die Bedeutung des betreffenden Projekts mindern würde. Heimarbeiter sind den ganzen Tag da, verbrauchen Elektrizität, essen Kekse, vertelefonieren ein Vermögen - aber die Toilette reinigen sie nicht.

Ehemänner und -frauen sollten ihrer beider Fähigkeiten und den Druck ihres Arbeitslebens wirklich besser begreifen. Dann können Sie, wenn ein Mensch Sie bei einer Party fragt, was Ihr Mann macht, statt sich vor Zorn und Unwissenheit an Ihrem Cocktailhappen zu verschlucken wie ich, sagen: "Er verkauft sechs Tage in der Woche ausländische Immobilien. Und ich vertreibe mir die Zeit damit, dass ich Kissenbezüge anfertige und Präsidentin der Liga für Menschenrechte bin. Aber sobald der Immobilienmarkt zusammenbricht, werde ich ihn samt alter Strickjacke und Dreitagebart unterm Pantoffel haben. Und wie gehen Ihre Geschäfte?"

Die meisten von uns, die sich bemühen, die alltäglichen Ärgernisse einer engen Beziehung heil zu überstehen, wissen gar nicht, wie glücklich sie sind.

 

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