Warum Frauen nicht mehr wollen - oder: Wenn die Leidenschaft einschläft
Quelle: Lena Bredow, ASUG-Verlag 2003

Überall, und wirklich in jeder Beziehung, dasselbe Phänomen. Allerdings wurde es meist ins Lächerliche gezogen.

Oft war der Trennungsgrund, weil sich der Mann den fehlenden Sex woanders holte. Aber auch Frauen hatten öfter einen Lover oder mehrere Seitensprünge, als ich jemals vermutet hätte. Sie ließen sich nur weniger dabei erwischen.

Sexuelle Treue gibt es höchstens bei Vögeln, und das sind bekanntermaßen keine Säugetiere.

Wir Menschen haben den Verstand. Im Grunde ist er aber tatsächlich das Einzige, was uns von der Tierwelt deutlich unterscheidet.

Boris Becker mag es mir verzeihen, aber wenn man sich an den Anfang seiner Sportkarriere erinnert, dann konnte man ihn wirklich nicht als den Frauenschwarm bezeichnen. Blass, rothaarig, glubschäugig und mit der erotischen Ausstrahlung eines Borkenkäfers.

Erfolg bedeutet Stärke, diese sichtbare Stärke zeugt von starken Genen. Der so ausgezeichnete Genträger wird zum begehrten Favoriten für die Damenwelt.

Geld ist Macht. Und Macht machte schon immer erotisch.

Viele Menschen sind in der heutigen Zeit so "gebaut", dass sie Fehler immer zuerst bei sich selbst suchen. Funktioniert etwas nicht, egal ob beruflich oder privat, fühlen sie sich sofort schuldig. Wir Frauen sind davon besonders betroffen.

Könnten wir in die Wohn- und Schlafzimmer unserer Nachbarn schauen, wäre der Anspruch an uns selbst nicht mehr so hoch und das Gefühl, als einziger dieser Welt zu versagen, gäbe es garantiert nicht.

Männer sprechen nur dann gerne von ihrer Sexualität, wenn sie eine erfolgreiche Eroberung gemacht haben. Ein langjähriger Ehemann aber wird eher selten von der Tatsache berichten, dass seine Frau ihn nicht mehr ranlässt. Es würde einer selbstdisqualifizierenden Aussage gleichkommen wie: Ich bringe es nicht mehr. Mein Schwanz ist zu klein, ich bin ein Versager. Sortiert mich aus.

Der weibliche Trieb ist mindestens genauso mächtig wie der männliche. Er ist nur nicht ständig in den Schlagzeilen, weil den Frauen im Zusammenhang mit ihrem Trieb die Gewaltbereitschaft fehlt.

Kein Mann kann sich wirklich vorstellen, was in diesem Moment in der Frau vorgeht, wenn er Sex möchte - und sie nicht. Es geht nicht um eine momentane Unlust, sondern um die totale Verweigerung, um eine regelrechte Sperre.

Der Fortpflanzungstrieb des Mannes beinhaltet: Vermehre dich so oft du kannst. Streue deinen Samen und somit alle deine Gene in alle Richtungen. Zeuge im Laufe deines Lebens soviel Nachwuchs, wie möglich.

Der weibliche Trieb sagt: Gebähre so viele starke und überlebensfähige Nachkommen wie möglich - ABER NICHT MIT DEM SELBEN MANN-.

Zeuge also keine direkten Geschwister, keine Verwandten 1. Grades, die sich nachher untereinander paaren und so durch Inzucht die biologische Art "Mensch" aussterben lassen.

ZEUGE DEINE KINDER MIT MÖGLICHST VIELEN UNTERSCHIEDLICHEN MÄNNERN

Die Paarungsbereitschaft mit dem Vater der anderen Kinder wurde auf natürlichem Weg gesteuert und von Hormonen einfach unterbunden.

Ein anderes Männchen wird der Favorit. Jetzt kommen die Hormone wieder in Wallung, Verliebtheits-Gefühle werden ausgelöst, Lust auf Paarung explodiert förmlich.

Zwei Jahre, genau die Stillzeit unserer Vorfahren, von diesem Zeitpunkt sprachen die meisten Frauen. Nach zwei Jahren war die Leidenschaft erloschen.

Für diese Leidenschafts-Sperre gibt es eine Bezeichnung: Inzestuöse Hemmung.

Die Bezeichnung sagt nichts anderes, als dass ihr Körper, den Körper ihres Mannes, wie den des Bruders betrachtet.

Man liebt den Partner nach wie vor, man möchte mit ihm alt werden, die Kinder großziehen und Enkelkinder haben, aber der Körper reagiert wie auf einen Bruder, mit sexuellem Stillschweigen.

Die Evolution ist sehr langsam. Sie trennt sich nur sehr zögerlich von erfolgreichen Mechanismen. Da sie in anderen Zeiteinheiten rechnet, bedeuten "zögerlich" - viele tausend Jahre.

Wäre die Evolution schneller, dann hätten wir zum Beispiel keine Fettzellen mehr, weil in Europa auch kein Hunger mehr herrscht.

Wäre die Evolution schneller, hätten wir Hintern, geformt wie die Schreibtischstühle, damit wir bequemer sitzen.

Wäre die Evolution schneller, dann wären alle Australier schwarz, wie die Ureinwohner des Kontinents. Sie würden nicht mehr, weil ihre Ahnen ursprünglich aus dem sonnenarmen England kommen, reihenweise an Hautkrebs sterben.

Wäre die Evolution schneller, dann würden Frauen ein Leben lang die Lust auf ihre Ehemänner behalten, denn die Gefahr von Inzucht ist bei den heutigen Menschenmassen und der vielfältigen Auswahl überhaupt nicht mehr gegeben.

Aber die Evolution ist nicht schnell.

Viagra ist die Rettung aller Männer, die an Erektionsstörung leiden und mit diesem Handicap keinen Sex mehr haben können. Viagra lässt erschlaffte Glieder durch die medikamentöse Durchblutungsförderung wieder ihren Mann stehen.

Eigentlich "leiden" Frauen an nichts anderem.

Ich jedenfalls würde es auch als Erektionsstörung bezeichnen, wenn die Berührungen der Partner keine erotischen Reaktionen mehr hervorrufen.

Warum gibt es nicht längst "Viagra" für die Frau?

Nun braucht man also ein Hormonpräparat, dass der Natur einen frisch kennen gelernten Liebhaber vorgaukelt und sie vergessen lässt, dass es sich eigentlich um den Ehepartner handelt.

Heute, drei Jahre nach unserer Trennung wird mir bewusst, die Ehe scheiterte, weil er nicht bereit war, mich als Schuldige freizusprechen und ich deshalb den Respekt vor ihm verlor.

Das Zauberwort heißt: erst einmal wissen. Und dann reden. Nichts totschweigen, sich offenbaren, keine Vorwürfe machen, wo es keine zu machen gibt. Und schlussendlich den Respekt voreinander zu behalten.

Der Respekt ist gleichzeitig die Lösung. Denn Respekt bedeutet Achtung. Empfindet eine Frau Achtung für ihren Mann, dann wird er das stärkste Männchen bleiben.

Und deshalb zunächst der Appell an alle Männer: Glaubt euren Frauen, dass sie euch lieben.

Es ist ein Irrtum der Evolution, dass sie die Leidenschaft einschlafen lässt.

Und dann der Appell an alle Frauen: Sucht nicht die Schuld bei euch. Ihr werdet sie nicht finden. Sprecht mit euren Männern, denn ich vermute, dass dieses Buch mehr von Frauen gelesen wird.

Seid euch auch sicher, und das gilt für beide Geschlechter, bei einem neuen Partner wird das gleiche Phänomen auftreten, und ist die Leidenschaft am Anfang auch noch so groß.

Ich bin wesentlich gelassener geworden und habe gelernt, die Dinge an dem Mann zu schätzen, in die ich mich am Anfang verliebt habe. Über seine Schwächen schaue ich hinweg. Ich versuche ihn nicht zu ändern weil ich aus Erfahrung weiß, es wird mir sowieso niemals gelingen.

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis