Zauberlehrlinge - Die gefährliche Liebe zum Computer
Quelle: Walter Volpert, dtv 1988

Man wird weniger Experten der veschiedenen Richtungen brauchen, diese werden einen erheblich verringerten Handlungsspielraum haben und eine verstärkten Leistungsdruck zu spüren bekommen.

Der Rechner folgt einerseits widerspruchslos und blitzschnell den Vorgaben seines menschlichen Kontrahenten. Andererseits spiegelt er aber auch jeden kleinen Fehler seines Partners erbarmungslos zurück und beschämt diesen dadurch.

Das amerikanische Militär gestaltet die Zieltechnik seiner modernsten, viele Millionen Mark teuren Panzer nach dem Vorbild der populärsten Computerspiele.

Männer, die vor riesigen Anzeigetafeln sitzen und automatische Produktionsabläufe überwachen. Er nennt sie "die lebenden Leichen in den gläsernen Särgen."

Die Technik-Zentrierten. Diese überidentifzieren sich mit der neuen Technik, halten sich für so leistungsfähig und fortschrittlich und merken dabei gar nicht, wie sehr ihnen der Bezug zum wirklichen Leben verloren geht.

Nach der Generation der Spontis, die überall ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche verwirklichen wollten, haben wir jetzt die braven Computer-Boys und ihre Prinzessinnen vor ihren farbigen Bildschirmen: die Schlummies.

Breakdance - der Versuch der Slum-Jugendlichen, zu zeigen, dass sie die besten Roboter aller Zeiten sind.

Er unterhielt sich nicht, sagt die Frau eines Technik-Zentrierten. Es ging um Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Unser ganze Unterhaltung bestand aus Daten.

Die Folien-Krankheit: Der Redner verzichtet darauf, die Zuhörer durch eine zusammenhängende Argumentation zu überzeugen, auf elegante Formulierungen wagt man ohnehin nicht mehr zu hoffen. Statt dessen wird der Raum in ein weihevolles und das Einschlafen förderndes Halbdunkel versetzt, und der Redner stolpert und stottert von Folie zu Folie.

Es soll Firmen geben, die ihre Mitarbeiter dazu anhalten, persönliche und telefonische Kontakte durch Nachrichten über die hausinterne "elektronische Post" zu ersetzen - unter anderem mit dem Hinweis, man könne dann auch mit jemanden kommunizieren, der gar nicht da sei!

Ein weiteres Merkmal unserer Sprach-Verrohung ist die Verstümmelung von Worten und Namen.

So haben wir in der synthetischen Welt auch noch neue "synthetische Nachbarschaften": abstrakte Personen, die als Absender und Empfänger von Bildschirm-Botschaften auftreten.

Was also auf uns zukommt, ist kein vielgestaltiger Informationsreichtum, sondern eine "Informationsverschmutzung".

Wenn alle an das Netz Angeschlossenen mit jedem beliebigen Teilnehmer zu jeder Zeit per Computer Verbindung aufnehmen können, besteht die Gefahr, dass sich eine Flut belangloser Mitteilungen über die Teilnehmer ergießt...

Die Möglichkeiten der beliebigen und unangemeldeten Leistungskontrolle per Computer brächten Vorgesetzte dazu, alle bisherigen Hemmungen und Höflichkeiten fallen zulassen.

Wesentliches Merkmal des zwingenden Blickes ist, dass der Überwachte ständig dem Blick des Überwachers ausgesetzt ist, aber selbst nicht erkennen kann, ob dieser Blick gerade auf ihm lastet.

Nicht dass der Computer sich uns annähert, ist also das Problem, sondern dass wir uns dem Computer annähern und dabei unsere Identität verlieren. Und dass wir andere Menschen ebenfalls so ansehen, als wären sie Computer.

Ganz entsprechend lenken die Computer-Bastelkurse eher vom Problem ab als darauf hin. Das in ihnen vermittelte Wissen gehört zur Sorte der destruktiven Informationen.

Ingenieure haben oft unrecht, aber selten Zweifel. Das macht die Diskussion und die Zusammenarbeit mit ihnen manchmal schwierig.

Wenn die hellen Flecken, die man sieht, nur daher rühren, dass man sich ständig selbst auf den Kopf haut, dann bin ich lieber ein Schwarzseher.

 

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