Was der Mensch braucht, Über die Kunst zu leben
Quelle: Schultz, dtv 1989

Der moderne Mensch ist krankhaft passiv.

Zwang zum Konsumieren: der homo consumens.

Eine der großen Selbsttäuschungen des modernen Menschen. Er glaubt, enorm aktiv zu sein, und ist in Wirklichkeit enorm passiv, weil seine Aktivität nicht aus ihm kommt, sondern eine ihm vorgeschriebene, manipulierte, in ihn hineingelegte Aktivität ist.

Wenn wir überleben wollen, müssen wir zu leben lernen, statt immer nur gelebt zu werden. Was ist das Ziel? Ich glaube es kommt darauf an, sich der Passivität bewusst zu werden und zu erkennen, dass diese Passivität den Menschen leiden macht.

Privilegiert ist, wer ein lebendiges Leben hat führen können.

Das geregelte Arbeitsleben der modernen Industriegesellschaft hat mit dem Sirenenton der Freizeit laut gellende Akzente gesetzt,..

Unsere Tätigkeiten sind ja planvolle Tätigkeiten. Planvoll schließt aber ein, dass Zukünftiges vorweggenommen, Gegenwärtiges dem Zukünftigen untergeordnet wir.

Man sagte einmal, ein kleines Kind ins Feuer zu werfen sei ein Verbrechen; Feuer auf viele Kinder zu werfen sei eine militärische Operation.

Wir erleben so etwas wie eine Inflation der Information.

Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Zweifellos ist der im Vorteil, welcher neben seinem normalen Denkstil auch über den entgegengesetzten verfügt.

Spiel entlastet: von den Sorgen des Berufs, vom Einerlei des Alltags. Es bedeutet, formelhaft ausgedrückt, Weltausgrenzung auf Zeit.

Ein uraltes indianisches Sprichwort empfiehlt: "Urteile nicht über deinen Nächsten, bevor du nicht eine Meile weit in seinen Mokassins seiner Spur gefolgt bist."

Bisher glaubten wir, jede neue Erkenntnis diene dem Fortschritt des Menschen und der Verbesserung seines Lebens auf diesem Planeten. Heute müssen wir uns fragen, welche Erfindungen unsere seelisch-geistigen Lebensbedingungen erschweren und welche sie erleichtern können.

Asiatische religiöse Kulte finden Anhänger, weil sie Erlösung von der Individualität versprechen, die vielen eine Last und ein leeres Versprechen geworden ist.

Weil wir im Grunde nicht heilen, sondern reparieren wollen, nehmen die Fälle zu, wo gerade die Reparatur neue Schäden hervorbringt, die dann die nächste Reparatur nötig machen.

Man hat aber vom Menschen nichts verstanden, wenn man nicht erkannt hat, dass seine Meinung über sich selbst bereits ein Teil seines Seins ist.

Die alte Theorie, der Mensch sei eine Maschine, wird offenbar in dem Augenblick widerlegt, da man ihn so behandelt.

Der heute laut beklagte Leistungsdruck ist in vielen Fällen nicht wegen der Schwere des Druckes, sondern wegen der Hohlheit der Leistung so unerträglich.

Es fehlt uns an Gelassenheit.

 

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