Total digital
Quelle: Negroponte, C. Bertelsmann, 1995

Der Wechsel vom Atom zum Bit - wie ich es nenne - ist unwiderruflich und nicht mehr aufzuhalten.

Obwohl Computer in der heutigen Zeit allgegenwärtig sind, ist ihr aktuelles Interface als primitiv, bestenfalls als schwerfällig zu bezeichnen und kaum dazu geeignet, sich damit gemütlich ins Bett zu kuscheln.

In Zukunft wird es keine Hersteller von Fernsehgeräten mehr geben. Diese Lücke füllt dann die Computerindustrie: Bildschirme mit Tonnen von Speicher- und Rechenkapazität.

Ich bin davon überzeugt, daß die Amerikaner im Jahre 2005 mehr Zeit im Internet (oder wie immer es dann heißt) verbringen werden als vor dem Fernseher.

Das Medium ist nicht länger die Botschaft.

Es ist an der Zeit zu begreifen, was Bits und Atome bedeuten.

Die große Herausforderung liegt im Bau von Computern, die den Menschen erkennen, auf seine Bedürfnisse eingehen und zu verbaler und nonverbaler Kommunikation fähig sind.

Die Digitalzeit wird das Wesen der Massenmedien insofern verändern, daß sie die Bits nicht mehr zu den Menschen schieben, sondern den Menschen (oder deren Computern) erlauben, die Bits zu sich herüberzuziehen.

>Warum müssen Computer (und Kontoauszüge) so unnötig kompliziert sein? Warum ist es schwer, digital zu leben?

Der Vertrieb von Atomen ist sehr viel komplizierter als der von Bits.

Benutzerfreundlichkeit ist ein so unwiderstehliches Ziel, dass wir manchmal vergessen, dass viele Menschen den Computer überhaupt nicht benutzen wollen - sie möchten, dass etwas erledigt wird.

Wir beschäftigen uns heutzutage ausschließlich mit der Frage, wie man die Benutzung eines Computers für den Menschen einfacher machen kann. Dabei wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie man es dem Computer leichter macht, mit Menschen umzugehen.

Ich weiß nicht, was Sie tun würden, aber ich würde meinen Videorecorder noch heute aus dem Fenster werfen, wenn es ein besseres System gäbe. Mein Hauptargument ist dieses lästige Hin- und Herschleppen von Atomen, wo doch ein Empfangen ohne Rückgabe und deponierte Bits möglich wäre.

Das Fernkopiergerät oder Fax ist ein ernsthafter Makel der Informationslandschaft, ein Rückschritt, dessen indirekte Folgen noch lange zu spüren sein werden.

Ich überzeugt, daß E-Mail-Interviews zum idealen Werkzeug und weltweiten Standard für viele Journalisten werden können - vorausgesetzt, sie alle erlernen digitale Umgangsformen.

Ich beantworte lieber eine E-Mail am Sonntag und bleibe dafür montags länger im Bett.

Kürze ist der E-Mail Seele.

Je mehr wir unser digitales Leben ausbauen, desto mehr werden die Hindernisse materieller Natur sein und nicht elektronischer.

Heutzutage bietet sich Kindern und Jugendlichen im Internet, wo sie gehört, aber nicht gesehen werden, die Möglichkeit, schlaue Straßenkinder zu werden.

In Zukunft wird jedes Haushaltsgerät entweder ein abgespeckter oder ein aufgeblasener Personalcomputer sein.

 

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